Eigene Beiträge

Frau Gemein berichtet über ihr sensationelles E-Mail-Austauschprojekt mit Kasachstan

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Mittwoch, 30. November 2005

 

Kurzdokumentation des „Kasachstan-Projekts“,
durchgeführt in der Europa - Projektwoche
der GGS Gartenstraße, Hennef
vom 14.11-18.11.2005


- Ein Emailaustausch zwischen Schülern der GGS Gartenstraße, Hennef, Deutschland, und der Schule Nr. 11, Aktobe, Kasachstan -

 

 

Kontaktdaten:
Ulrike Gemein, GGS Gartenstraße, Gartenstraße 17, 53773 Hennef, email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Herzlichen Dank an Rainer Donath für die Herstellung des Kontaktes zu deutschsprachigen Schulen, an die Botschaft der Republik Kasachstan für die Bereitstellung von Büchern und an ChatMobil.de für das Zur-Verfügung-Stellen der Computerausstattung!

Einleitung:
Im Rahmen der Projektwoche Herbst 2005 an der GGS Gartenstraße fand ein Emailaustausch mit der Schule Nr. 11 in Aktobe/Kasachstan statt. Es handelt sich hierbei um eine kasachische Schule mit vertieftem Deutschunterricht.

Gruppengröße:
GGS Gartenstraße: 21 Kinder aus dem 3. und 4. Schuljahr
Schule Nr. 11 Aktobe: interessierte Schüler aus den Klassen 5, 7 und 9

Ziele:
– Die Schüler in Kasachstan und Deutschland sollten sich über ihre Lebensgewohnheiten und ihren Alltag austauschen, um Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten zu erkennen.
– Die Schüler sollten durch den persönlichen Kontakt einen persönlichen Bezug zum jeweils anderem Land erhalten und Informationen über das Partnerland sammeln.
– Die Schüler sollten das Medium „Internet“ als sinnvolles Recherche- und Kommunikationsmedium kennenlernen.

Voraussetzungen/Vorarbeiten:
– Die GGS Gartenstraße hat weder einen Computerraum, noch Internetzugang in den Klassenräumen. Deshalb musste ich in eigener Initiative ein Netzwerk aus gebrauchten, mir für diese Aktion privat zur Verfügung gestellten Computern und Netzwerkequipment an den Internetzugang im Verwaltungstrakt hängen.
– Es musste eine Schule gefunden werden, die bereit war, in der einen Projektwoche mit uns intensiven Kontakt zu pflegen, und deren Unterrichtsvoraussetzungen (Alter der Kinder, Unterrichtszeiten etc.) mit unseren zusammen passte. Dies geschah durch einen Aufruf über die Mailingliste Internet-Klassenp@rtnerschaften des Goethe Instituts. [http://www.goethe.de/z/ekp/deindex.htm]
– Materialien in nicht digitaler Form musste beschafft werden. Hilfreich hierbei war auch die Botschaft der Republik Kasachstan in Berlin.

Ablauf
Im Vorfeld
– Die Schüler der GGS Gartenstrasse wählten jeweils 3 Länder aus, an deren Projekten sie gerne teilnehmen wollten. Den Schülern war nur das jeweilige Land bekannt und nicht z.B. der Aspekt eines Emailaustausches. Das Interesse am Kasachstan - Projekt war überdurchschnittlich groß
– Die Schüler wurden ihren Wünschen entsprechend den jeweiligen Projekten zugeordnet (jeweils für die Klassenstufen 1-2 und 3-4). Manchmal konnte nur der 2. oder 3. Wunsch berücksichtigt werden, damit die jeweilige Gruppengröße bei 21-22 Kindern lag.
– Alle Gruppen führten eine Vorbesprechung durch. Dabei wurde deutlich, dass viele, aber nicht alle Kinder, die am Kasachstan-Projekt teilnahmen, einen russischen bzw. sogar kasachischen Hintergrund hatten.
– Der Emaildienst für Kinder [spiolino.de] erwies sich auf Grund von fehlenden Funktionalitäten nicht als tragfähig, es musste auf einen anderen, neutralen, werbefreien Webmailer ausgewichen werden. Hierbei war zu beachten, dass die einschlägigen, kostenfreien Webmailer ihren Dienst mit Werbung finanzieren, die nicht unbedingt Grundschulkindern zugänglich sein sollte.
– Die Suchmaschinen für Kinder im Internet [Milkmoon.de] und [blinde-kuh.de] bieten keine Informationen über Kasachstan an, deshalb musste eine Seite mit Kasachstan-Links für die Schüler erstellt werden. Hierdurch wurde verhindert, dass die Schüler mit [Google.de] suchen mussten, die nicht immer jugendfreie Suchergebnisse aufzeigt.

In der Projektwoche
– Jeden Tag begannen wir mit einer Vorbesprechung am Morgen. Hierbei wurde die am Nachmittag eingetroffene Mails vorgelesen. Die Ideen der Kinder wurden diskutiert und ein Tagesablauf festgelegt.
– Die Schüler beschäftigten sich mit den von ihnen gewählten Arbeiten.
– Zum Tagesabschluss fand ein kurzes Abschlussgespräch statt. Hierbei wurden auch neue Aspekte, die die Kinder herausgefunden hatten, der Gesamtgruppe vorgestellt.

Beobachtungen:
- Alle Kinder vertieften in dieser Woche ihre Anwendungsfertigkeiten am PC sowie ihre Recherchefähigkeiten im Internet.
- Auch Schüler, die mit großer Scheu an den Computer bzw. das Internet gingen, gewannen immer mehr an Selbstsicherheit in Bezug auf dieses Medium.
- Das Interesse der Schüler an einem Austausch mit den Schülern in Kasachstan war sehr groß. Die meisten Schüler bemühten sich, am Tag 1-2 Mails vorzuschreiben, abzutippen, eventuell noch mit geeigneten Bildern (z.B. "Was ist ein Osterhase?") zu ergänzen und abzusenden.
- Die Nutzung anderer Medien wie Bücher und Landkarten trat deutlich in den Hintergrund.
- Aspekte, die die kasachischen Kinder in den Mails erwähnten, blieben den Schülern in guter Erinnerung.
- Die Fähigkeit, sich in eine andere Lebensweise der Kinder hineinzudenken, verstärkte sich zunehmend. Gegen Ende der Woche hatten die Kinder erkannt, dass es viele Unterschiede (z.B. das Neujahrsfest) aber auch viele Gemeinsamkeiten (z.B. Lieblingsbands) gab. Mit zunehmenden Gespür verglichen sie Aspekte ihres täglichen Lebens (Essgewohnheiten, Schulalltag, Freizeitgestaltung etc.).
- Kinder mit russchischsprachigem bzw. kasachischem Hintergrund erlebten ein deutliches Interesse an ihrer „früheren Heimat“ und genossen dies sichtlich. Kinder mit nicht-russchischem Hintergrund profitierten von den Erzählungen der Kinder.
- Ein Vergleich von Fotos aus Aktobe und Hennef (Telefonzelle, Kino, Polizeiauto, etc) interessierte die Schüler sehr.
- Besonders Kinder mit kasachischen Vorfahren bezogen auch ihre Eltern mit ein, die z.B. ein großes Plakat mit ihren Sohn über Kasachstan erstellten oder ein kasachisches Gericht für die Projektgruppe kochten. Ein Schüler kochte mit Hilfe seiner Mutter ein kasachisches Gericht nach, dessen Rezept er aus Aktobe erhalten hatte und schrieb am nächsten Tag: „Vielen Dank für das Rezept. Es hat lecker geschmeckt“
- Einige Kinder schrieben auch zu Hause Mails und brachten sie dann auf einem Datenträger in die Schule mit.
- Schüler, die sonst im Unterricht auf Grund ihres Arbeits- und Sozialverhaltens oft negativ auffallen, arbeiteten in dieser Woche überwiegend konzentriert, engagiert und teamfähig mit.
- Ein Großteil der Schüler der Projektgruppe äußerte den Wunsch, an diesem Projekt auch von zu Hause weiter zu arbeiten

Resümee:
- Die Wahl eines Landes, das Bezug zu der Herkunft eines Teils unserer Schüler hat, erwies sich als sinnvoll, da die Kinder sich angenommen fühlen konnten bzw. von den Erzählungen profitieren konnten.
- Die Gruppengröße von 21 Schüler ist die absolute Obergrenze für ein Projekt dieser Art in unseren provisorischen Räumlichkeiten.
- Der Emailaustausch bietet einen sehr motivierenden Schreibanlass, der gleichzeitig die Fähigkeit, Berichte zu schreiben, aber auch Empathie steigert.
- Viele Aspekte der Woche dienten dem Abbau von Vorurteilen, dem Aufbau von Verständnis füreinander und somit letztendlich der Völkerverständigung.
- Die Schüler haben das Internet als sinnvolles Recherche- und Kommunikationsmedium kennengelernt
- Der Altersunterschied zwischen den Schülern in Hennef (8-10 Jahre) und Aktobe (11-15 Jahre) fiel nicht ins Gewicht, vielleicht auch deshalb, weil Deutsch für die Schüler in Kasachstan eine Fremdsprache ist.
- Die Schule Nr. 11 in Aktobe hat die Fragen unsere Kinder mit vereinten Kräften sehr gut beantwortet. Zur Entlastung der Deutschlehrer vor Ort sowie zur Nutzung der Möglichkeit, neue Wortfelder zu erarbeiten, sollten die Kinder in Deutschland in Zukunft angeregt werden, in jeder Mail nur über ein bestimmtes Thema zu berichten und Fragen zu stellen .
- Ein Vergleich von Fotos macht Unterschiede und Gemeinsamkeiten deutlich und entlastet die kasachischen Schüler, die oft noch nicht den Wortschatz zur Beschreibung diese Gegenständehaben und auch die Schüler in Hennef, die oft noch Schwierigkeiten in der Formulierung von Beschreibungen hatten.

Ausblick/Wünsche:
- Das Projekt sollte, wie von den Schülern gewünscht, weitergeführt werden, um die positiven Aspekte auszubauen. Hierfür ist auch weiterhin der Internetzugang für die Schüler wichtig. Im Schulalltag ist eine Fortführung des Projekts im Unterricht der jeweiligen Klassen nur dann möglich, wenn alle Klassenräume vernetzt sind.
- Im Rahmen dieser Partnerschaft können sehr viele Lernziele, die im HMKM (Hennefer Medienkompetenzmodell) bzw. in unserem Schulprogramm verankert sind, „mit Leben gefüllt“ und den Schülern vermittelt werden; außerdem werden viele Aspekte, die sich in unseren Richtlinien und Lehrplänen finden, umgesetzt. Es erscheint sinnvoll, Informationen über Computerbedienung (z.B. Arbeit mit Textverarbeitungsprogrammen) Aspekte des schriftsprachlichen Handels und interkulturelles Lernen zu verbinden und das Projekt in einem lockeren zeitlichen Rhythmus weiterzuführen.
- Ein genauer Modus hierzu muss noch gefunden und mit der Schule in Aktobe abgestimmt werden.

Hier sind einige der Briefe, welche unsere und die kasachischen Schülerinnen und Schüler austauschten:


Naurys
In Kasachstan feiert man den Beginn des neuen Jahres auch am 22.März, dem Tag des Frühlingsbeginns. Das Wort „naurys“ kommt aus dem Persischen und heißt „neuer Tag“. Dieses Fest bedeutet neue Hoffnungen, neues Leben. Man feiert Naurys schon seit Jahrhunderten. An diesem Tag wird in allen Familien ein Naurys- Köche, ein besonderes Gericht, zubereitet. Es besteht gewöhnlich aus 7 Zutaten: 6 Getreidesorten ( Weizen, Reis, Hirse, Mais, Gerste, Hafer) und Salz. Der Tisch wird gedeckt, mit allem, was Küche und Keller bieten. Es gehört zur Tradition, an diesem Feiertag Bäume zu pflanzen. Die Jugendlichen veranstalten nationale Wettkämpfe. Man kleidet sich festlich, die älteren Frauen tragen weiße Kleidung. Verwandte und Bekannte besuchen einander und wünschen sich Wohlergehen.


Guten Tag, Alex!
Ich bin Kunsulu. Ich koche gern. Und ich esse gern. Ich erzähle was ich gern esse. “Baursack“ kasachisches Gericht.
Zuerst wird der Teig mit Milch, mit dem Zucker, den Eier, geknetet, ausgerollt, in Plätzchen geschnitten und gebraten. Danach wird der Teig geformt, mit dem Honig gegossen, gekühlt und gegessen.
Guten Appetit !


Hallo,
ich bin es nochmal, Sascha. Ich möchte euch gerne erzählen wie wir hier Karneval feiern: Wir verkleiden uns wie wir wollen.Und außerdem gibt es einen Karnevalzug, dann ziehen verkleidte Gruppe von Menschen und Lkw,s mit großen Anhängern durch die Straßen: Von den Anhängern werfen verkleidete Leute Süßigkeiten zu den Menschen, die unten zuschauen. Dann sammelt man das alles ein und dann kommen noch mehr Lkw,s. Ich gehe dieses Jahr als Spidermann. Ich weiß nicht ob ihr auch so feiert wir wir. Und es gehen noch Musikanten
mit.Gruss Sascha


Mail von Karina und Svetlana
Hallo Anna,
ich heiße Karina.
Uns macht es Spaß über euch mehr zu erfahren. Wir haben schon viel über euch gelernt. Wollt ihr erfahren, was wir für Stunden haben? Wir haben Mathe, Sprache, Musik und Kunst. Uns macht die Projektwoche sehr viel Spaß. Viele Grüße Karina


Hallo Viktoria,
ich heiße Svetlana.Uns macht es Spaß über euch mehr zu erfahren. Wir lernen sehr viel in der Schule. Wenn wir uns verletzt haben gehen wir zum Sekreteriat. Wir lernen Englisch und Deutsch. Manchmal machen wir Sport und laufen. Macht ihr auch Sport? Tschüss Viktoria. Liebe Grüße Svetlana



Liebe Kinder!
Wir haben auch Kartoffeln und Spaghetti! Wir kennen Spiderman und Eminem, 50 Cent, X-man und Kino! Unsere Schule ist viel größer. Hier lernen fast 1400 Schüler.
Wir feiern auch Silvester (Neujahr) und den 1. April.
Aber Karneval gibt es bei uns nicht.
Wir freuen uns auf eure Briefe.

Assem und Lida.

Und 5 „B“ Klasse.