Eigene Beiträge

Frau Seibert besuchte eine Schule in Guatemala...

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...und hat nun viel zu erzählen:

In den Sommerferien bereisten mein Freund und ich Zentralamerika. Während dessen besuchten wir auch das Schulprojekt der "Kinderhilfe Lateinamerika" in Guatemala, welches wir durch unser Laufen zum Olympiatag 2003 unterstützt hatten.

 

 

Nachdem wir bereits eine Woche durch Guatemala gereist waren, machten wir uns auf den Weg Richtung Alta Verapaz. Da wir wie die Einheimischen mit dem Bus (u.a. mit dem "chicken bus") unterwegs waren, wussten wir nie im voraus wann wir wo ankommen würden. Als wir uns Cobán näherten, nahmen wir telefonisch Kontakt zu Padre de Groot auf und vereinbarten einen Termin für ein Treffen.

Der Padre und 6 Jungen aus dem Don Bosco Internat holten uns morgens um 9 Uhr in Cobán ab. Mit dem Jeep fuhren wir eine Stunde lang über schmale Schotterwege viele Hügel rauf und runter. Das Ziel war eine kleine Gemeinde in San Pedro Carchá. Dort fand ein Gottesdienst mit Taufe statt. Im Laufe des Vormittags trudelten nach und nach mehr als 100 Indigenas ein. Wir waren sehr erstaunt, wo all die Menschen her kamen, denn durch die vielen Hügel konnten wir fast keine Hütten sehen. Nachbarschaften wie in Deutschland gibt es nicht. Einige Familien legten sogar 2-3 Std. Fußweg zurück, um zum Gottesdienst zu kommen. Es ist die "Aktivität des Tages".

Vor der Kirche (ein großer, gemauerter Raum mit Wellblechdach) sammelte sich die indigene Bevölkerung in einem großen Halbkreis. Alle waren sehr leise. Sie blickten unentwegt und voller Neugier zu uns herüber und musterten uns von oben bis unten. Viele von ihnen sahen bestimmt zum ersten Mal weiße Menschen. Da die Indigenas "eqchi" sprechen, fand unsere Unterhaltung mit Händen und Füßen statt. Wir wurden zum Gottesdienst eingeladen und mussten als Ehrengäste in der ersten Reihe (Brett auf Ziegelsteinen) sitzen. Der Gottesdienst war natürlich auch in eqchi, so dass wir außer dem Wort "Halleluja" nichts verstehen konnten. Jedoch waren die Rituale ähnlich. So standen sie zum Beten auch immer auf. Dabei überragten wir alle Gemeindemitglieder um 1-2 Köpfe! Ansonsten wurde in dem Gottesdienst sehr viel gesungen. Das war etwas anstrengend für die Ohren, denn die Gemeinde hatte ein Keyboard bekommen, welches mit einer Autobatterie betrieben wurde. Dieses klang total laut, schrill und scheppernd, da wohl bis dahin niemand wusste, wie man es richtig einstellt.

Nach 3 Stunden war der Gottesdienst vorbei. Anschließend wurden wir zum Essen eingeladen. Wir durften in einem kleinen Holzhüttchen neben dem Padre und dem Dorfvorstand sitzen. Wie jeden Tag gab es Maistortillas und Bohnenmus. Dazu als Festessen Hühnersuppe. Da wir vorher einen kurzen Blick in die Küche geworfen hatten, war uns jeglicher Appetit vergangen und wir dachten nur: "Der nächste Durchfall kommt bestimmt" - doch wir wollten ja zu Gastgebern auch nicht unhöflich sein und haben uns deshalb überwunden einen kleinen Schluck der Hühnersuppe zu trinken. Die Folge waren Schweißausbrüche und Atemnot, da die Suppe extrem scharf war. Doch wir wollten uns nichts anmerken lassen und aßen tapfer mit den Fingern von jedem etwas. Löffel, Gabel und Messer gibt es dort nicht. Nach dem Essen bekam jeder einen kleinen Schluck Wasser in die Hände, um sich die Hände zu waschen sowie den Mund auszuspülen und dann den Schluck Wasser im Hüttchen auf den Erdboden zu spucken - eine Form der Hygiene an die man sich erst gewöhnen muss.

Wie uns Padre de Groot übersetzte, bedankten sich die Indigenas mehrfach für unseren Besuch und dafür, dass wir mit ihnen Abendmahl gefeiert hatten. Dass wir reisen, fanden sie wiederum etwas merkwürdig. Doch sprachen sie in diesem Zusammenhang gleich die nächste Einladung an uns aus: "Wenn ihr wieder reist, kommt doch einfach vorbei! Wir reisen nicht. Wir sind immer hier!" Und noch ein Anliegen der Indigenas: "Sagt nochmal den deutschen Politikern danke, das sie uns die Straße gebaut haben!".

Trotz ihrer Armut wirken die Menschen dort glücklich und dankbar. Der Besuch in dieser kleinen Gemeinde war von einer Freundlichkeit und Herzlichkeit geprägt, die unbeschreibbar ist. Wir haben ein Wort in eqchi gelernt: "antiox"! Es heißt übersetzt "Danke!" und wir konnten es zum Abschied nicht oft genug sagen.

Am nächsten Morgen (Montag, 1. September) holten uns 2 Männer des Don Bosco Centers mit dem Auto ab. Einer von ihnen ist Lehrer am Internat. Zuerst fuhren sie mit uns zum Center. Allerdings ging es nur an sehr schön gemauerten Gebäuden von außen vorbei. Eine Gelegenheit mal auszusteigen, bot sich uns leider nicht. Jedenfalls wirkte das Internat, in dem ca. 500 Jungen leben, von außen sehr prächtig und zudem gut strukturiert angelegt.

Die einstündige Fahrt ging direkt weiter nach Sekaesis Chiguoyo in der Gemeinde San Pedro Carchá. Nachdem wir noch eine halbe Stunde zu Fuß durch eine Kaffee- und Kardamonplantage gegangen waren, standen wir plötzlich vor der Dorfschule, einer gemauerten Schule mit umzäunten Schulhof. Es gibt dort 3 Räume: links ist die Vorschulklasse, rechts die Schulklasse und in der Mitte ein großer Gemeinschaftsraum. Zuerst schauten wir in beiden Klassen im Spanischunterricht zu. In jeder Klasse sind ca. 20 Kinder. Die Altersspanne ist riesig. Jedes Kind der Schulklasse sitzt an einem eigenen Tisch mit viel Abstand zum nächsten Tisch. Jedes Kind hat eigene Bücher, Hefte und Stifte. In der Vorschulklasse sitzen die meisten Kinder in Bankreihen.

Nach der Spanischstunde trafen sich alle im Gemeinschaftsraum, um uns einige Lieder in eqchi vorzusingen. Das Lied "Bruder Jakob" half zur Verständigung, da es dieses Lied auch in eqchi gibt. Einige Spiele spielten wir gemeinsam. Unter anderem auch das Spiel "Der geheime Dirigent", welches ich mühevoll einem Lehrer erklärte, der etwas spanisch sprach und es den Kindern übersetzte. Für die Kinder waren wir eine Attraktion. Sie berührten uns häufig mit der Hand. Schließlich sollten wir ihnen ein deutsches Lied singen. Wir entschieden uns für "Ich schenk dir einen Regenbogen". Während wir sangen und ich dazu Gitarre spielte, war es ganz still.

 



Alle lauschten ganz fasziniert dem Klang und der fremden Sprache. Zum Abschluss wurden wir von dem Schulleiter fotografiert. Fast mit jedem einzeln und so oft, dass wir selber kaum dazu kamen auch ein Foto zu machen. Ein Gruppenbild gelang schließlich doch noch.

 



Der Schulleiter lud die Lehrer und uns noch zum Mittagessen ein. Es gab das gleiche Festmahl wie nach dem Gottesdienst - nur nicht so scharf.

Marc Strych und Sandra Seibert

Siehe auch die Berichte "Olympiatag 2003" und "Ein Brief aus Mittelamerika"!