Was die Presse schrieb

Hennefer mailen mit Schülern aus Kasachstan

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Projektwoche Mädchen und Jungen präsentieren ihre Arbeiten zu unterschiedlichen Ländern.
Interkulturelles Lernen mit der gut ausgestatteten Schule Nummer 11 in Aktobe

Von Anke Vehmeier

 



Hennef
. „Hallo, Konstantin! Wie geht’s? Ich heiße Kamelija, ich bin 13 Jahre alt. Ich möchte dir erzählen, wie ein tatarisches Essen gemacht wird. Chak-Chak ist ein tatarisches Gericht.“ Diese Mail erreichte die Jungen und Mädchen der „Kasachstan-Gruppe“ bei der Projektwoche der Gemeinschaftsgrundschule Gartenstraße. Sie war ein Brief in einer ganzen Reihe, die in den vergangenen Tagen zwischen Hennef und dem 3000 Kilometer entfernten Aktobe hin und her geschickt wurden.

20 verschiedene Arbeitsgruppen waren in der Projektwoche gebildet worden, die sich jeweils mit einem europäischen Land, den Leuten sowie Sitten und Gebräuchen beschäftigten. Es wurde gebastelt, gekocht und getanzt. Am Freitag führten die Jungen und Mädchen jeweils eine Darbietung zu „ihrem Land“ vor Eltern, Geschwistern und Freunden auf.

Die Kasachstan-Gruppe bildete eine Besonderheit, zumal das Land nicht zu Europa gehört. Die Schüler mussten noch ein Stück an die Europa-Karte ankleben, um zu zeigen, wo Aktobe liegt.. Mit der dortigen Schule Nummer 11 standen die Hennefer in ständigem E-Mail-Kontakt. „Ich habe in einem Internetforum für Schülerpartnerschaften den Kontakt zu der Schule in Kasachstan geknüpft“, sagte Ulrike Gemein, Medienbeauftragte der Grundschule. „Etwa die Hälfte der Kinder in der Gruppe spricht Russisch. Für sie war es ein schönes Erlebnis, die kyrillische Sprache auf dem Bildschirm zu lesen“, sagt Gemein. Die Jungen und Mädchen haben zu Kasachstan und Aktobe recherchiert. „Das war interkulturelles Lernen. Die Schüler haben zum Beispiel erfahren, dass dort Neujahr am 22. März gefeirt wird. Das fanden sie sehr komisch. Aber richtig orientiert waren sie dann, als die Schüler schrieben, dass sie Spiderman und Eminem sehr wohl kennen“, sagt Gemein. Die Hennefer wunderten sich, dass in Aktobe in zwei Schichten unterrichtet wird. Die Großen vormittags und die Kleinen dann gesondert am Nachmittag.

Die Jugendlichen schickten sich gegenseitig Fotos. So entstanden Kollagen mit Bildern von Bussen hier und dort, Telefonzellen und Apotheken.

Die Medienbeauftragte ermöglichte das Projekt mit eigenen Mitteln. Sie selbst stellte zehn Rechner zur Verfügung, baute in einer Nacht ein Netzwerk, so dass die Kinder ins Internet gehen konnten. „An unserer Schule haben wir nur einen Internet-Rechner, und das ist der Lehrer-PC.“ Dabei stehe aber in den Richtlinien der Schule, dass eine Vernetzung geschaffen werden müsse. Bisher habe die Stadt Hennef als Schulträger dies jedoch nicht umgesetzt, so Gemein.

Die Computer seien zwar nicht die neuesten Modelle, aber Mails schreiben sei damit möglich. „Ich finde es allerdings schon bedenklich, dass die Schule in Kasachstan besser ausgestattet ist als wir. Wenn ich der dortigen Lehrerin schrieb: ‚Nein, das oder das können wir nicht machen, das können unsere Rechner nicht’, kam zur Antwort: ‚Hihi, und ich dachte, unsere Rechner sind alt.’“

Die Lehrerin wird ihre privaten Computer in den nächsten Tagen wieder abbauen und mit nach Hause nehmen, und damit endet auch das Projekt.