Was die Presse schrieb

Bei minus 30 Grad gibt es an Schulen in Kasachstan Kältefrei

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Kasachische Lehrerin besuchte GGS Gartenstraße

 


Erwartungsvoll hockten alle Schülerinnen und Schüler im Forum auf dem Fußboden. Aus dem Lautsprecher erklang fremd klingende Musik, Musik aus Kasachstan. Aus diesem fernen Land, das früher zu UdSSR gehörte, hatte sich nämlich Besuch angesagt in der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Gartenstraße, und mit der Musik sollten alle auf das Treffen eingestimmt werden. Etliche Kinder, die sich in der Schule unter Anleitung von Ulrike Gemein am Projekt „UniCul.Net“ beteiligen, kannten die Besucherin Heike Lawin schon vom Chatten. Fast täglich stehen die Kinder nämlich über eine multilinguale, multikulturelle Homepage mit einer Family - School in USA und der Schule Nr. 11 in Aktobe in Kasachstan in Verbindung. Und heute war die aus Berlin stammende Lehrerin, die seit vielen Jahren in Aktobe lebt und hier auch die Hennefer E-Mails übersetzt, in der GGS Gartenstraße, um ihre jungen deutschen Chat-Freundinnen und –Freunde kennen zu lernen.

Nachdem der Schulchor unter der Leitung von Sandra Seibert die Besucherin mit deutschen, englischen und sogar einem eigens einstudierten kasachischen Lied begrüßt hatte, trat Frau Lawin mit ihrer „Freundin“ Sulusha, einer bunten Handpuppe in Landestracht mit dem wohlklingenden Namen „Mädchen mit den schönen Haaren“ vor die Kinder, um ihnen etwas über Land und Leute zu berichten. Und die quirlige Lehrerin, die 7 Sprachen beherrscht, wusste interessante Dinge über Kasachstan zu erzählen: „Unser Land ist riesig, doppelt so groß wie Deutschland, Frankreich und Spanien zusammen genommen, es gibt aber nur wenige Großstädte und nur ca. 15. Millionen Einwohner. Wir wissen nicht, ob wir zu Europa oder zu Asien zählen, deshalb werden wir Eurasier genannt“, berichtete sie. „Eigentlich haben wir zwei Hauptstädte: Almaty, das frühere Alma Ata, und seit 1997 ist Astona im Norden die offizielle Hauptstadt“. Drei Stunden brauche die Sonne vom Osten bis zum Westen des Landes. Menschen mit unterschiedlichen Gesichtern lebten im Land, und in der Schule ginge es zwischen Russen und Kasachis stets fröhlich zu. „Im Winter gibt es bei mehr als 30 Grad minus Kältefrei, dafür kennt man bei uns kein Hitzfrei, weil in den drei Sommermonaten Juni, Juli und August keine Schule ist. Da im Land sowohl Russisch als auch Kasachisch gesprochen wird, sind alle Straßenschilder zweisprachig“, berichtete sie.

Angetan waren die Hennefer Schülerinnen von den wohlklingenden Mädchennamen in Kasachstan. Doch wer möchte bei uns schon „Mondblüte“, „Kamelauge“ oder „Mädchen mit der schönen Seele“ heißen? Jetzt wissen die Hennefer Kinder sogar, dass es an den Schulen in Kasachstan keine 6 gibt. „Eine 5 ist bei uns die beste Note.“ Auch diese Information gab Frau Lawin. Und als sie einige Fragen auf Kasachisch an die Schulgruppe richtete, da lebten etliche Migranten- Kinder richtig auf, weil das die Muttersprache ihrer Eltern ist, sie diese Sprache verstanden und Antwort geben konnten. „Ist es nicht toll, dass wir auch kleine Dolmetscher an unserer Schule haben“, lobte Schulleiter Edgar Zens seine Schüler. Natürlich wurden am Ende der außergewöhnlichen Schulstunde auch Geschenke ausgetauscht. Heike Lawin hatte für die jungen Chatter bunte kasachische Käppies mitgebracht, Ulrike Gemein wurde in eine kasachische Landestracht gesteckt, und Schulleiter Edgar Zens, ein passionierter Musiker, bekam eine Domra, das Volksinstrument der Kasachis mit 2 Saiten, überricht.

Wenn demnächst die Hennefer Kinder wieder ihre Mails nach Aktobe senden, dann werden sie sicher über den Besuch von Heike Lawin berichten und das, was sie ihnen über das ferne Land erzählt hat. Per Chat wird an der Hennefer Schule das interkulturelle Verständnis zwischen den beiden Ländern, aber auch zwischen den Schülern der verschiedenen Kulturen gefördert. Auch Heike Lawin, die seit 6 Jahren an der kasachischen Schule in Aktobe unterrichtet, lobte diese Kontakte. Erst kürzlich habe einer ihrer Schüler in einem Aufsatz geschrieben: „Wenn man so viel Persönliches über Kinder in anderen Ländern weiß, dann gibt es in Zukunft bestimmt keine Kriege mehr.“